Donnerstag, 17. Juli 2008

Stolpersteine gegen Rechts


Klezmersänger Mark Aizikovitch singt für die NS-Opfer
Fotos: MITTE GEGEN RECHTS

Mit geschlossen Augen steht Mark Aizikovitch, massiv, wallende Locken und Vollbart, neben dem Tønsberg-Laden in der Rosa-Luxemburg-Strasse 18. In der rechten Hand hält er ein Mikrofon und singt mit tiefer Stimme ein jiddisches Lied.

Das Lied, dass der Klezmermusiker jetzt singt, wurde einst von einem KZ-Häftling komponiert. Heute erklingt es in Erinnerung an sieben andere Opfern des Holocaust, die einst in der Hausnummer 18 wohnten und 1942/43 von den Nazis deportiert und ermordet wurden. An sie erinnern seit dem 7. Juli sieben messingfarbene „Stolpersteine“, die Anwohner und Gewerbetreibende der Rosa-Luxemburg-Strasse initiiert haben.


Reges Interesse für die Ausstellung

Rund 80 Menschen, darunter Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD), haben sich heute in der Rosa-Luxemburg-Strasse versammelt, um die „Stolpersteine“ mit einer kleinen Feier einzuweihen. „Wir wollen so ein Zeichen gegen die Verbreitung von rechten Gedanken und die Kommerzialisierung des Nationalsozialismus in unserem Kiez setzen“, sagte eine Rednerin.

Auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke, machte in einem Grußwort deutlich, dass es wichtig sei, Versuche, die NS-Ideologie erneut zu legitimieren, zurückzuweisen. „Hier kommt es gerade auf das Engagement jedes Einzelnen an. Die Mitte der Gesellschaft muss sich geschlossen gegen die Rechten stellen.“

Gleichzeitig mit der Einweihung der „Stolpersteine“ übergaben die Initiatoren auch eine kleine Ausstellung der Öffentlichkeit, in der das Schicksal der NS-Opfer dokumentiert wurde.
Am Abschluss der Feier, in der auch die Biographien der Deportierten vorgelesen wurden, sang der Kantor der Jüdischen Gemeinde, Simon Zkorenblut, je einen Psalm und das Kaddisch, das jüdische Totengebet.


Kantor Skorenblut singt das Kaddisch

Dann legte die Initiative MITTE GEGEN RECHTS einen Blumenkranz neben einen der Stolpersteine. „Jutta Rosentreter, geb. 1934, ermordet 1942 in Riga“, steht dort. Lesbar für jeden Passanten.

Keine Kommentare: